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Manfred Becker

Bwana Simba – Der Herr der Löwen

Carl Georg Schillings. Forscher und Naturschützer in Deutsch-Ostafrika

Afrika – auch heute noch ruft der Name des Schwarzen Kontinents Bilder von wilden Tieren, kriegerischen Eingeborenen und wagemutigen Entdeckern in uns wach. Dieser Zauber der Ferne lockt jedes Jahr mehrere hunderttausend Reisende nach Afrika, die an den weißen Stränden Erholung suchen oder während einer Safari den Hauch des Abenteuers erleben wollen.
Wer aber von diesen Touristen weiß heute noch, mit welchen Strapazen die weißen Forscher vor hundert und mehr Jahren den Kontinent durchwanderten, welche Gefahren auf die Männer und die wenigen Frauen warteten, die im 19. Jahrhundert die Grundzüge unseres Afrikabildes prägten. Vielleicht werden sich Namen wie Livingstone, Stanley oder Burton – alle durch Verfilmungen ihres Lebens und ihrer Abenteuer in Hollywood-Manier auf die Leinwand gebannt – einstellen, die den europäischen Kolonialbestrebungen in Afrika den Weg bahnten.
Aber wer von all den Besuchern Ostafrikas wird sich an Namen wie Hermann von Wißmann, Albrecht Roscher, O’Swald, W. Junker, Carl Peters, Max Schoeller oder gar Carl Georg Schillings erinnern? Wer weiß in der heutigen Zeit noch, dass einige Teile Afrikas, die heutigen Staaten Togo, Kamerun, Namibia und Tanzania, bis 1918 deutsche Kolonien waren?
Das beginnende 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von politischen und z.T. auch militärischen Konflikten. Über wirtschaftliche Sorgen, politische Unsicherheiten und in Deutschland durch die Verwerfungen durch die Wiedervereinigung der in Folge des 2. Weltkrieges getrennten deutschen Teile wird Geschichtsbetrachtung in Deutschland trotz zunehmender Globalisierung oft nur auf den Ausschnitt der letzten fünfzig oder sechzig Jahre begrenzt. Eingeengt wird heute auch der Bezugsraum unseres Interesses durch die vorgegebene Auswahl, die die Medien für uns treffen; so steht Europa und damit auch Deutschland in der Gefahr einer ständigen Nabelschau, die weite Teile unserer Erde vergißt.
Tanzania mit Ruanda und Burundi (= Deutsch-Ostafrika), Namibia (= Deutsch-Südwestafrika), Togo, Kamerun, Tsingtau, Samoa sind der nachwachsenden Generation nur insofern ein Begriff, da gerade die afrikanischen Staaten unter den ehemaligen deutschen Kolonien Schlagzeilen in der Presse machen, da sie entweder zu den ärmsten Staaten (Tanzania) Afrikas gehören oder in nicht allzu ferner Vergangenheit durch kriegerische Auseinandersetzungen (Namibia, Ruanda, Burundi) sich bemerkbar machten.
Wie anders muss das Bewusstsein von Afrika vor über 100 Jahren gewesen sein. Auch damals war Afrika im „Scramble for Africa“ zum Spielball der europäischen Mächte geworden, obwohl Afrikas Inneres noch immer in weiten Teilen ein weißer Fleck auf der Landkarte war.
Diese weißen Flecken auf den Afrika-Karten auszugestalten, brachen ab 1840 immer wieder Männer von Europa aus auf, um die geographischen Gegebenheiten zu erforschen, die Lücken im Wissen der Zeit mit realen Flüssen, Seen, Bergen und auch den dort lebenden Menschen zu füllen. Machtstreben, wirtschaftliche Ausdehnung durch die Industrialisierung und Missionstätigkeit brachten neben den Entdeckern die europäischen Staaten auf den Plan. Jeder wollte seinen Anteil an Afrika.
Die Berliner „Kongo-Konferenz“ von 1885 legte die Grenzen der verschiedenen Interessensphären zwischen den europäischen Staaten und damit bis heute den Grenzverlauf zwischen den mittlerweile unabhängigen afrikanischen Staaten fest. Zwar hatte Deutschland nach 1885 nominell Herrschaft über verschiedene afrikanische Gebiete – Togo, Kamerun, Deutsch-Südwest und Deutsch-Ostafrika – erworben, doch waren die Kenntnisse über das gekaufte oder angeeignete Land dadurch nicht größer geworden. Die klimatischen, vegetationsgeographischen oder humanen Faktoren hatten noch immer viele Geheimnisse Afrikas vor den Europäern versteckt. Die Küstenregion war nach den Entdeckungsfahrten der Portugiesen am Ende des 15. Jahrhunderts fast überall bekannt. Doch bereits wenige Kilometer landeinwärts schreckten Krankheiten, Kannibalen oder wilde Tiere die Europäer von weiterem Vordringen ab. Sagenhafte Königreiche, wilde Ungeheuer geisterten durch die Presse Europas und ließen die wenigen, die sich in diese fernen, der Zivilisation nicht erschlossenen Regionen Afrikas wagten, in noch hellerem Licht erscheinen.
Vielfach selbst gestellte Aufgabe der Männer, die das Innere Afrikas erforschten, war die Verbreiterung der Wissensbasis in der Heimat. Burton und Speke suchten im Auftrag der Royal Geographical Society in London nach den Quellen des Nils. Diese Gesellschaft sandte 1883 Joseph Thomson aus, den Weg durch das als unpassierbar geltende Masai-Land zu erkunden. Johann Ludwig Krapf und Johann Rebmann, die ersten Missionare an Ostafrikas Küste in neuerer Zeit, brachten 1848 die Kunde von ihren Reisen ins Innere, dass am Äquator schneebedeckte Berge existierten, was ihnen zunächst niemand glaubte.
Alle Reisende brachten neben Tiertrophäen, Zeichnungen oder Kultgegenständen der Eingeborenen ihr Wissen mit in die Heimat – sofern sie nicht dem Schicksal vieler Reisender der frühen Jahre erlagen und in der Ferne umkamen –, das sie in Buchform einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich machten.
So füllten sich nach und nach die Museen Europas mit Fellen, Gehörnen und Kultgegenständen aus Afrika. Die gerade im Entstehen begriffenen zoologischen Gärten setzten hohe Summen ein, um den immer stärker in die Schauanlagen drängenden Besuchern die sagenhaften Tiere Afrikas lebend zu zeigen.

Aber schon frühzeitig äußerten erste Forscher ihre Bedenken gegen den immer stärker zunehmenden Raubbau an der afrikanischen Tierwelt. Der Gedanke des Jagd- und Naturschutzes wurde geboren. Man erkannte schon im ausgehenden 19. Jahrhundert, dass die unvergleichliche Arten- und Individuenfülle der Fauna Ostafrikas für die Nachwelt erhalten werden musste.
Hier setzt neben seinen weiteren wissenschaftlichen Erfolgen die wesentliche Eigenschaft Carl Georg Schillings’ an. Er gehörte zu den Männern, die sich neben der Jagd dem Gedanken des Wildschutzes verpflichtet fühlten. Carl Georg Schillings trat in Vorträgen, Büchern und seinem umfangreichen Schriftverkehr immer wieder für den Schutz der afrikanischen Tierwelt ein, da er bereits um 1900, nach seiner zweiten Afrikareise erkannte, dass die Fauna Ostafrikas ein unwiederbringliches Erbe der Menschheit ist und für alle zukünftigen Generationen erhalten werden muss.

(aus der Einleitung des Autors)


Inhalt
Einleitung
Die Familie Schillings und der Weyerhof
Herkunft der Familie Schillings
Geschichte des Weyerhofs
Carl Georgs Jugend auf dem Weyerhof
Der Reiter Schillings
Neue Welten
Aufbruch nach Afrika
Erste afrikanische Erlebnisse
Vorbereitungen auf Neuland
Erneuter Aufbruch nach Afrika
Carl Georg Schillings’ 2. Afrikareise 1899-1900
Deutsch-Ostafrika
Sammeln für Museen in Deutschland
In der Heimat
Narrow Escape
Deutsch-Ostafrika – Erfolge und Abschied
Tiere für den Zoologischen Garten in Berlin
Carl Georg Schillings – der Tierschützer
Auswertungen
Der Schriftsteller Schillings
Schillings’ Entwurf für ein Jagdschutzgesetz 1907
Aufsätze und kleinere Schriften
Hagenbeck als Erzieher – 1911
Kampf gegen den Vogelmord
Die Arche Noah – 1914
Carl Georg Schillings’ letzte Jahre
Der Nachlass Carl Georg Schillings’
Die Schillings-Stiftung
Spurensuche
Nachbetrachtung
Epilog – Carl Georg Schillings und das Leopold-Hoesch-Museum Düren

Anhang
Erster Entwurf für ein Jagdschutzgesetz – 1901
Hagenbeck als Erzieher – 1911
Die Tragödie des Paradiesvogels und des Edelreihers – 1912
Die Arche Noah – 1914

 

104 Seiten
200 Seiten
zahlr. Abb., 22,5 x 27,5 cm, geb.
Hahne & Schloemer Verlag, Düren 2008
ISBN 978-3-927312-88-3 Preis: 35,00 €

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