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Stadtmuseum Düren

Dürens Goldene Jahre

1871-1914

Die Epoche seit der deutschen Reichsgründung nach dem deutsch-französischen Krieg im Jahr 1871 bis zum Ersten Weltkrieg ist eine Zeit rasanter Stadtentwicklung. Düren wird vom rheinischen Landstädtchen zu einer bedeutenden Industriestadt und zu einem Mittelzentrum für die Bevölkerung einer recht weiten Region. Die demografischen Zahlen sprechen für sich: Lebten zu Ende des Jahres 1871 noch knapp 13.000 Personen in der Kreisstadt an der Rur, waren es bei der Volkszählung im Jahr 1905 bereits knapp 30.000. Die Bevölkerung hatte sich in wenigen Jahrzehnten mehr als verdoppelt!

Auch die Dürener Wirtschaft verzeichnete ein beeindruckendes Wachstum. 1913 lebten in der Stadt 22 Mehrfachmillionäre, zumeist Inhaber großer Industrieunternehmen. Die Namensliste der sehr vermögenden Familien liest sich wie ein „Who is Who“ rheinischer und deutscher Industriegeschichte. Postkarten, die mit Dürener Stadtmotiven verschickt wurden, zieren zusätzlich Geldsäcke und die Aufschrift „Gruß aus der Stadt der Millionäre!“. Aber auch sozial und kulturell wird damals die Infrastruktur unserer Stadt erheblich ausgebaut. Vor allem aus bürgerschaftlichem Engagement entstehen durch Stiftungen Einrichtungen für Kinder, kranke, behinderte und alte Menschen. Auch das Leopold-Hoesch-Museum und das Stadttheater erfahren auf diese Weise ihre Gründung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Selbst die fast vollständige Zerstörung der Stadt Düren am 16. November 1944 konnte diese Entwicklung nicht dauerhaft abschneiden. Die imponierende Wiederaufbauleistung unserer Eltern und Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg hat an die alten Strukturen anknüpfend auch die heutige Stadt wieder zu dem bedeutendsten Industriestandort und Mittelzentrum für die Region zwischen Köln und Aachen gemacht.

Ich freue mich, dass „Dürens Goldene Jahre“ Schwerpunkt der historischen Forschung in unserem Stadtmuseum während der letzten Jahre gewesen sind. Wir verdanken diesem ehrenamtlichen Engagement sowohl eine bemerkenswerte Ausstellung als auch die vorliegende Publikation. Dabei werden auch die Schattenseiten der Entwicklung nicht verschwiegen. Auch in Düren gab es Verarmung der Bevölkerung, Wohnungselend, Arbeitskämpfe, Versorgungsprobleme bei Krankheit und andere sozialpolitische Herausforderungen.

Ich danke allen, die in jahrelanger Arbeit dazu beigetragen haben, dieses wertvolle Buch zur Dürener Stadtgeschichte entstehen zu lassen.

 

Vorwort von Bürgermeister Paul Larue

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Liebe Leserin, lieber Leser,

das Buch, das Sie gerade in Ihren Händen halten, ist das Ergebnis eines kleinen Abenteuers. Im Zuge der Vorbereitungen für die III. Abteilung unserer Ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte, die den Zeitraum 1871-1914 umfassen sollte, stellten wir fest, dass es in vielen Bereichen an grundlegenden Ausarbeitungen fehlte. Und das, obwohl für viele Dürener diese Epoche zur „guten alten Zeit“ gehört, in der in unserer Stadt die Welt scheinbar noch in Ordnung war. Hier klafften Gefühl und Wissen erkennbar weit auseinander.

Grundlage für die meisten der in diesem Buch behandelten Themen bilden die im Dürener Stadtarchiv vollständig erhaltenen Verwaltungsberichte jener Zeit. Sie beinhalten nicht nur die wesentlichen statistischen Daten, etwa zur Bevölkerungsentwicklung, zu den städtischen Finanzen oder Marktpreisen der wichtigsten Nahrungsmittel, sondern darüber hinaus auch viele Aspekte, die man unter „Zeitkolorit“ zusammenfassen könnte wie beispielsweise die Reden zur Einweihung der städtischen Betriebe oder aus Anlass einer Denkmalsenthüllung. Ohne diese Bestände hätten weder die Ausstellung noch dieses Buch entstehen können.

Daneben, so halten wir uns zugute, haben wir viele neue Quellen erschlossen, seien es private Erinnerungen, bisher unbeachtete städtische Denkschriften oder Beiträge aus zeitgenössischen Publikationen. All dieses Material ergab schließlich eine solche Fülle an Ergebnissen, dass wir diese in die Ausstellung – zumal angesichts unserer eingeschränkten Raumverhältnisse – nur zu einem kleinen Teil einbringen konnten. Folgerichtig reifte irgendwann der Entschluss, diese Früchte unserer Arbeit nicht einfach in unserem Archiv verschwinden zu lassen, sondern sie in diesem Buch zu versammeln. Das Abenteuer lag für uns darin, dass wir damit komplettes Neuland betraten. Wir hoffen, Sie finden das Ergebnis so spannend und interessant wie wir den Weg dahin.

Natürlich sind wir uns der Tatsache bewusst, dass wir lange nicht alle wesentlichen Aspekte des Dürener städtischen Lebens jener Zeit behandelt haben und dass auch in den vorliegenden Kapiteln noch manche Lücke besteht.

Das resultiert einerseits aus dem Fehlen vieler Quellen, etwa durch die Zerstörung öffentlicher und privater Archive am 16.11.1944, aber auch den bedauernswert unsensiblen Umgang vieler Behörden, Organisationen, Vereinigungen und Firmen mit ihrer eigenen Überlieferung. Hier versuchen wir seit unserer Gründung im Jahre 2009 noch so viel wie möglich zu retten, müssen aber leider oft konstatieren, dass wir zu spät kommen.

Andererseits sind diese Lücken unseren doch eingeschränkten Möglichkeiten geschuldet. Als ehrenamtlich tätigem Verein sind uns hier deutliche Grenzen gesetzt, die wir allerdings auch im Zuge dieses Projektes beständig erweitert haben.

An dieser Stelle bleibt jetzt nur, Dank zu sagen: Dem Stadt- und Kreisarchiv mit seinem Leiter Helmut Krebs für enge Kooperation und die stete Bereitschaft, dieses „Abenteuer“ zu einem bestmöglichen Ende zu bringen; den vielen privaten und öffentlichen Stellen, die uns mit Dokumenten, Fotos, Objekten und sonstigen Leihgaben oder Schenkungen unterstützt haben; der Victor Rolff-Stiftung in Vettweiß-Gladbach, die mit einem großzügigen Zuschuss die Herstellung dieses Buches und seinen günstigen Verkaufspreis ermöglicht hat; Heinrich Brauweiler, der uns uneigennützig und unkompliziert seine reichhaltigen Bestände zur Verfügung gestellt hat; und nicht zuletzt den Autorinnen und Autoren, die viel Zeit und Arbeitskraft eingebracht haben.

Für den Herausgeber hege ich die Hoffnung, dass sich all das gelohnt hat.

Bernd Hahne
Vorsitzender Trägerverein
Stadtmuseum Düren e.V.

 

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Inhalt
I. Düren im Kaiserreich. Ein Überblick 9
II. Eine Stadt verändert sich – Düren im 19. Jahrhundert 15
Hermann Rehm, Die Stadt Düren und ihre nähere Umgebung 18
Joseph Stübben, Erläuterungen zu seinem generellen Bebauungsplan v. 7.12.1891 (Auszüge) 24
Demographische Daten 32
III. Bürgermeister, Rat und Verwaltung 35
Die Stadtverfassung 36
Hubert Jakob Werners 39
August Klotz, Antrittsrede als Bürgermeister 42
Christian August Klotz 43
Die Dürener Stadtverordneten 1871-1914 46
Die Stadtverordneten 47
Die Entwicklung der Verwaltung 47
Die Finanzen der Stadt 51
Der Weg zur Garnisonsstadt 56
IV. Grossbürgerliches Leben 59
Einleitung 60
Die Villa von Hugo Albert Schoeller 61
Agnes Schoeller, Lebenserinnerungen 62
Die Walzmühlenvilla (1876) von Felix Heinrich Schoeller 63
Bürgerliches Wohn- und Schlafzimmer um 1900 67
Großbürgerliche Küche 69
Tischkultur 71
Kolonialwarenladen um 1890 73
Mode um 1900 76
Porzellanpuppen der Jahrhundertwende 77
Die Kronprinzenfamilie als Anziehpuppen 79
Kinder um die Jahrhundertwende 80
Eine Orientierungshilfe: Mit Adele durch den „Irrgarten“ Dürener Verwandtschaftsbeziehungen 82
Familienbild Leopold Schoeller 84
Superintendent Müller, Grabrede zur Beerdigung von Anna Schoeller am 21. Juli 1911 86
Anna Schoeller 87
Familie Hoesch-Lemmé 89
Ölbild Helene Peill 92
Milly Hoesch, Lebenserinnerungen 94
Mäzenatentum 102
Dürener Stifter und Stiftungen 1825-1913 104
Anekdoten zur Heiratspolitik 108
V. Wohnungs- und Siedlungsbau 113
Arbeiterwohnungsbau 114
Die Flachsspinnerei von Schoeller, Mevissen & Bücklers in Düren mit ihren Arbeiterwohnungen und Fortbildungsschulen für Mädchen und Knaben 116
Die Bauberatungsstelle 120
Siedlungsbaugenossenschaft 121
Wohnungsamt 121
Zur Arbeiterwohnungsfrage 122
Die Agnessiedlung (Eberhard und Agnes Hoesch-Stiftung) 125
Denkschrift zur Durchführung der Verbesserung des Kleinwohnungswesens in der Stadt Düren 128
1. Bauabschnitt: Die Gruppe der sechs Doppelhäuser 129
Die Häuser des 2. Bauabschnitts (1912/13) 129
Ausblick auf den 3. Bauabschnitt 131
Arbeiterküche 132
Wäschepflege 133
Die Ernährung der kleinen Leute 134
VI. Städtische Einrichtungen 137
Gasversorgung 138
N[ikolaus] Caspary, Die Trinkwasserfrage im Allgemeinen und in Rücksicht auf die Trinkwasser-Verhältnisse der Stadt Düren 140
Wasserversorgung 141
Elektrizitätsversorgung 146
Der städtische Schlachthof 148
Kanalisation 151
Schwimm- und Badeanstalten 152
VII. Verkehr und Kommunikation 155
Straßennetz 156
Eisenbahnverbindungen 161
Karl Hütten, Erinnerungen an die Dürener Dampfstraßenbahn 166
Kleinbahnen 167
Omnibus-Verkehr 171
Post, Telegraphie, Telephonie 173
VIII. Dürener Schulen im Kaiserreich 175
Die Peschschule 177
Die Nordschule 179
Die Südschule 181
Hauptlehrer Geuen, „Abschiedsrede“ beim Umzug in die neue evang. Elementarschule 182
Die evangelische Elementarschule 183
Von der Bürgerschule zum Realgymnasium 187
Von den Töchterschulen zum Lyzeum 190
Die Ursulinenschule 195
Das Gymnasium 196
Das Königliche Lehrerseminar und die Seminar-Präparandenanstalt 198
Dürener allgemeinbildende Schulen bis 1914 200
Die Schulbank 202
Anfänge der Beruflichen Bildung – Wilhelm Solinus und die gewerbliche Zeichen- und Fortbildungsschule in Düren 204
IX. Kulturelles Leben 207
Bürgermeister Werners, Rede zur Grundsteinlegung der Rathaus-Erweiterung am 6.9.1888 208
Stadtarchiv 209
Bibliotheken 210
Leopold-Hoesch-Museum 211
Stadttheater 213
Musikleben 217
Musikvereine 219
Stadtparkkonzerte 219
Männergesangvereine 221
Musik-Gastveranstaltungen 221
Ein Konservatorium in Düren und die Vorläufer 224
X. Religiöses Leben 225
Pfarre St. Joachim 226
Renovierung an St. Anna 227
Die Verehrung der heiligen Mutter Anna 228
St. Marien 229
Dürener Kommunionkinder 231
Gottesdienstordnung 232
Der Karmel 233
Das Muttergotteshäuschen 235
Die Anna-Säule 236
Union der Protestanten 238
Die jüdische Gemeinde 239
Die Einweihung der neuen Synagoge 240
XI. Die Lokalpresse 243
Kampfpresse im Kulturkampf 246
Die „Generalanzeiger“ kommen 248
Offene Fragen 253
Die Organisationen der Drucker 255
XII. Industrie, Gewerbe, Geldwirtschaft 257
August Schoop, Die Dürener Industrie 258
Die Wirtschaft im Deutschen Kaiserreich 259
Die Dürener Textilindustrie 261
Dürener Industrieunternehmen 266
Die Dürener Filztuchindustrie 271
Die Dürener Metallindustrie 277
Dürener Metallwerke 284
Weitere Industriezweige 288
Glashütte Peill & Sohn 296
Banken und Sparkassen 299
XIII. Festtage, Märkte und Jahrmärkte 301
Von Groß-Tivoli zum Stadtpark 303
Bürgermeister Werners zur Einweihung des Kaiser Wilhelm I.-Denkmals am 22. März 1891 304
Festlichkeiten zum Jahrestag des Krieges 1870/71 306
Feiertage zur Verehrung von Personen und zum Gedächtnis zurück liegender Ereignisse 308
XIV. Armen- und Sozialfürsorge 311
Die Organisation des Armenwesens im Jahre 1911 314
Die evangelische Kleinkinderschule 323
Der Knabenhort „Caesar-Schoeller-Stiftung“ 325
Das Mädchenheim „Alexander-Schoeller-Stiftung“ 326
Die Maria-Apollonia-Krippe 327
Das städtische Krankenhaus 328
Robert Meyer, Wozu brauchen wir ein Wohlfahrtsamt? 330
Das städtische Wohlfahrtsamt 331
XV. Das Vereinswesen im Kaiserreich 333
Gliederung der Vereine nach Zweckbestimmung (chronologisch) 341
Anhang A.1
Quellen A.2
Zeitungen A.3
Firmenschriften A.3
Literatur A.4
 

 

 

352 Seiten
22 x 28 cm, fester Einband, Lesebändchen
Hahne & Schloemer Verlag, Düren 2014
ISBN 978-3-942513-22-7
Preis: 24,95 €

ACHTUNG: Bei Lieferung ins Ausland entstehen Versandkosten

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