Eigentlich liegen die Wurzeln der Sozialdemokratie im Dürener Land bereits in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Damals setzte sich die Erkenntnis durch, dass es kein "Naturgesetz" und auch nicht "gottgegeben" sein kann, dass Arbeiter mit ihren Familien in bitterster Armut lebten, obwohl sie 12 bis 14 Stunden am Tag arbeiteten. Es war das Ergebnis rücksichtsloser Ausbeutung durch die Besitzer des Großkapitals und großer Ländereien, die das System des Staates mit seinen Gesetzen zu ihrem Nutzen gestaltet hatten.
Mehrfach hatten deshalb schon Menschen, vornehmlich Handwerksgesellen und vereinzelt auch Handwerksmeister, in den 70er Jahren des 19. Jhdts. auch in Düren versucht, sich zusammenzuschließen, um in vereinter Stärke ihre Forderungen nach sozialen Verbesserungen durchzusetzen. Ihre Motivation entsprang sowohl den Theorien von Marx und Engels als auch dem Geist des Christentums, vorgebracht von Kolping, Ketteler und von Bodelschwingh. Sie scheiterten jedoch in der Regel schon nach kurzer Zeit mit ihrer Organisation an der Willkür des preußischen Obrigkeitsstaates.
Die Schwierigkeiten bei der Schilderung der einzelnen Zeitabschnitte sind nicht gering. Die zeitgeschichtlichen Quellenzeugnisse sind weit verstreut und wegen zum Teil fehlender Unterlagen an mehreren Stellen unvollständig. Trotzdem wurde der Versuch unternommen, aus den noch vorhandenen Dokumenten, Protokollen, Aufzeichnungen und Berichten von Zeitzeugen etc. einen chronologischen Ablauf des ereignisreichen und bedeutsamen Weges der Sozialdemokratie in unserer Heimat aufzuzeichnen. Die örtlichen Ereignisse sind hierbei eingebettet in den überörtlichen politischen und geschichtlichen Zusammenhang.
Wegen der unterschiedlichen zeitlichen Entwicklung der einzelnen SPD-Gruppen in den jeweiligen Gemeinden und weil der Schwerpunkt der vorliegenden Chronik die Darstellung der SPD-Kreisverbände und -Unterbezirke sowie der Städte Düren und Jülich ist, wurde ein Anhang hinzugefügt, in dem jeder Ortsverein mit einem Kurzporträt und den wichtigsten Stationen seiner Entwicklungsgeschichte aufgeführt ist.
Diese Chronik erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit, daher wurde auch auf einen Anmerkungsapparat mit Fußnoten verzichtet. Das Buch richtet sich zwar auch an den Fachmann, aber in erster Linie an den interessierten Laien.
(aus dem Vorwort des Autors)