Horst Wallraff

Vom preußischen Verwaltungsbeamten zum Manager des Kreises
Landräte und Landratsamt in den Kreisen Düren und Jülich von 1816 bis zur Gegenwart

„Ein Herrgott im Himmel, ein König in Berlin und ein Landrat im Kreise!“

Mit diesem geflügelten Wort bezeichnete der Volksmund im Preußen des 19. Jahrhunderts die „fast mythische Bedeutung“, die das Amt des Landrates innerhalb der brandenburgisch-preußischen Verwaltungsgeschichte (bereits) erlangt hatte, und es verwundert deshalb sehr, dass die Landräte, auf deren Rolle als ‚Schlüsselfiguren der preußischen Bürokratie‘ und ‚Könige in ihren Kreisen‘ im Verlauf dieser Untersuchung wieder und wieder zurückzukommen sein wird, von der Forschung bisher eher stiefmütterlich behandelt worden sind.
So sind – beispielsweise – von den insgesamt 46 Kreisdürener und -jülicher Landräten (und Oberkreisdirektoren) nur Dr. Wilhelm Rombach – in seiner Eigenschaft als Aachener Regierungspräsident und Oberbürgermeister –, Armin Renker aufgrund seiner literarisch-künstlerischen Begabungen und Wilhelm Johnen als vitaler Landespolitiker der „Deutschen Biographischen Enzyklopädie“ eine Erwähnung wert, obwohl das Nachschlagewerk insgesamt rund sechs Dutzend prominente Dürener und Jülicher Kreisangehörige, darunter einige Hoeschs und die Künstler Rudolf Schock, Max von Schillings oder Johann Wilhelm Schirmer, verzeichnet! Dementsprechend existieren denn auch lediglich zwei biografische Monografien zu einem Dürener und einem Jülicher Landrat, wovon die letztgemeinte Johnen-Biografie aus der Feder des mehrfach als Jülicher Heimatchronist in Erscheinung getretenen Leo de Jong eher Festschriftcharakter hat und die erstgenannte, immerhin 143 Textseiten umfassende Lebensbeschreibung des Dürener Landrates und nachmaligen Aachener Regierungspräsidenten und Oberbürgermeisters Wilhelm Rombach durch den (Aachener) Journalisten Siemons die kurze, von 1920 bis 1922 währende landrätliche Funktion Rombachs bestenfalls en passant erwähnt, nicht ohne einleitend zu bedauern, dass das Bild (selbst) dieses bedeutenden Beamten „verblaßt“ sei.
Ähnliches gilt für die Rombach-„Lebensbilder“ in den Aufsätzen von Friedrich Fehrmann, während der – nur quantitativ – gewichtige biografische Abschnitt aus der Feder Wilhelm Johnens über seinen (von 1892 bis 1923) über 30 Jahre als Jülicher Landrat amtierenden Vorgänger Dr. Friedrich Vüllers als heimatschriftstellerischer Versuch gewertet werden muß. Und hinter der knappen, von Gerda Kückhoven gezeichneten biografischen Skizze des über ein Vierteljahrhundert – von 1964 bis 1989 – „regierenden“ Dürener Landrates Johannes Kaptain und dem „Klassiker“ der Kreisdürener Landratsbiografik, dem – überaus hilfreichen –, im Jahre 1967 anläßlich des damals 150jährigen Bestehens des Kreises Düren publizierten Aufsatzes über die „Landräte des Kreises Düren“ von Dr. Franz Decker beginnt dann auch schon ein historiografisches Niemandsland, das durch die vorliegende Schrift nun betreten werden soll.

Inhalt

VORWORT

A EINLEITUNG
Regionalhistorie im Fokus landrätlicher Lebensgeschichten – Zur allgemeinen Problematik

B PREUSSEN

1) Preußen, die Rheinlande und die Kreise Düren und Jülich – Regionalgeschichtliche Aspekte von 1815 bis 1933
a) Zwischen Berlin und Versailles – Düren-Jülicher Kreisgeschichte 1815 bis 1871
b) Von der Reichsgründung zum „Dritten Reich“ – Eine „schwarze“ Region des Rheinlandes 1871 bis 1933

2) Im Banne des Königs von Preußen? – Der Landrat als Ständevertreter und Verwaltungsbeamter 1816 bis 1887
a) Carl von Bülow – Preußischer Verwaltungsbeamter und Soldat des Königs (1816 bis 1848)
b) Emmerich Stürtz – Vom Landrat zum Ehrenbürger (1841 bis 1887)

3) „Könige“ des Königs? – Der Landrat seit der neuen Kreisordnung von 1887 bis 1933
a) Maximilian von Breuning – Ein Patrizier als „König“ (1887 bis 1909)
b) Dr. Friedrich Vüllers – Die „klassische“ Karriere eines preußischen Landrates (1892 bis 1923)
c) Paul Schaaff – Demokratischer Aufsteiger durch die Republik (1924 bis 1933)

C GROSSDEUTSCHLAND

1) „Schwarze“ Region in braunem Gewand? – Die Kreise Düren und Jülich im „Dritten Reich“ von 1933 bis 1945

2) Der Landrat im Sog der NSDAP? – „Führerprinzip“ und Landratsamt
a) Ulrich von Mylius – Ein „Revolutionär“ von Stand (1933 bis 1945)

D NORDRHEIN-WESTFALEN

1) Aufstieg aus Trümmern – Die Kreise Düren und Jülich im britischen Kunstgebilde NRW von 1945 bis zur Gegenwart

2) Einfluß trotz Ehrenamt? – Der Landrat im britischen Modell von 1946 bis 1994/1999
a) Wilhelm Johnen – Der „Herzog von Jülich“ (1945/46 bis 1971)
b) Johannes Kaptain – „Architekt“ des neuen Kreises (1964 bis 1989)
c) Adolf Retz – Techniker einer Zeitenwende (1989 bis 1994)
d) Manfred Lucas – Sozialdemokrat des „Südkreises“ (1994 bis 1999)

E EUREGIO

1) Der Kreis Düren im Europa der Regionen

2) Kommunaler Krisenmanager? – Der „neue“ Landrat
a) Wolfgang Spelthahn – Manager des Kreises (seit 1999)


F ANHANG
Abkürzungen
Tabellarische Übersicht aller Landräte der Kreise Düren und Jülich
Tabellarische Übersicht aller Landräte und Oberkreisdirektoren der Kreise Düren und Jülich
Die Landräte und Oberkreisdirektoren der Kreise Düren und Jülich in alphabetischer Reihenfolge
Kurzbiographien
Abbildungsnachweis
Quellen und Literatur
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448 Seiten
zahlr. Abb., 16,5 x 24,5 cm, gebunden
Hahne & Schloemer Verlag, Düren 2004
ISBN 3-927312-65-7

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