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59,00 

Toni Offermann (Hg.)

Ein schwäbischer Handlungsdiener in Monschau 1801-1813

Briefe des J. C. Seyler, Angestellter der Tuchfirma Bernhard Scheibler, an seine Familie in Memmingen

Das Eifelstädtchen Monschau (damals Monjoye/Montjoie) gehörte im 18. Jahrhundert zu den bekanntesten europäischen Feintuchproduktionsstätten. Zwischen 1801 und 1813 – während seiner Zugehörigkeit zum napoleonischen Frankreich – beschreibt der aus Memmingen stammende Johann Conrad Seyler (1781-1855), „Commis“ (Handlungsgehilfe) in der führenden Tuchmanufaktur Bernhard von Scheibler, seine Lebens- und Arbeitswelt in 93, fast ausnahmslos an seinen Vater gerichteten, teils recht ausführlichen Briefen.
Darin schildert Seyler seine Lebensumstände: Wohnen, Essen und Trinken, Freizeitvergnügen (Wandern, Musizieren), das lokale gesellschaftliche Leben (Feste und Feiern, religiöse bzw. familiäre Sitten und Gebräuche), aber auch berufliche Fragen wie Lohn und Arbeitsverträge. Dank seines Naturells und seiner musischen Fähigkeiten war er Teil des gesellschaftlichen Lebens der protestantischen, kaufmännischen Oberschicht.
Ausführlich berichtet Seyler über fünf teils längere Geschäftsreisen nach Nord- und Süddeutschland mit einem besonderen Augenmerk auf Landschaft, Sehenswürdigkeiten und Menschen. Auch kommentiert er Vorgänge in seiner Heimatstadt Memmingen, die in dieser Zeit von einer freien Reichsstadt zu einer bayerischen Provinzhauptstadt absank.
Die unentwegte Sorge um Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten für Verwandte, vor dem drohenden Militärdienst in der französischen Armee und die Überlegungen hinsichtlich einer beruflichen Selbständigkeit und Familiengründung spiegeln den allmählichen persönlichen „Reifeprozess“ des jungen Kontoristen.
Seylers Briefe thematisieren recht anschaulich wesentliche Eigenschaften und Verhaltensweisen eines kleinstädtisch-kaufmännischen Teils der „Gebildeten Stände“ sowie deren familiäre, berufliche und landsmannschaftliche Netzwerke während einer Zeitspanne, in der in Monschau die Einführung von wasserbetriebenen Spinnmaschinen den Übergang von der dezentralen Manufaktur zu textilindustriellen Betriebsformen einleitete.
Das Briefkonvolut wird durch ein Namens-, geografisches und Sachregister erschlossen.

 

544 Seiten
Abb., 17,5 x 24,5 cm, fester Einband
Hahne & Schloemer Verlag, Düren 2025
ISBN 978-3-942513-72-2
Preis: 59,00 €

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